Rekonstruktion beim Poland-Syndrom

Das Poland-Syndrom ist eine angeborene, meist einseitige Entwicklungsstörung der Brust- und Thoraxregion. Typisch ist eine teilweise oder vollständige Unterentwicklung des großen Brustmuskels. Zusätzlich können Brustdrüse, Unterhautfettgewebe, Mamillen-Areolen-Komplex und vordere Achselfalte betroffen sein. In ausgeprägten Fällen bestehen Veränderungen der Rippen oder der Hand derselben Körperseite. Das Erscheinungsbild ist daher von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. 

Eine Rekonstruktion bedeutet beim Poland-Syndrom mehr als den Ausgleich eines Volumendefizits. Entscheidend ist, welche Strukturen unterentwickelt sind und wie sich die fehlende Muskulatur auf Brustbasis, Weichteildeckung und Thoraxkontur auswirkt. Beide Brustseiten und der gesamte Oberkörper werden deshalb gemeinsam betrachtet. Ziel ist eine möglichst natürliche Brustform mit harmonischen Übergängen und ausgewogenen Körperproportionen. 

Unsere Schwerpunkte 

  • Rekonstruktion der Brust- und Thoraxkontur beim Poland-Syndrom 
  • Eigenfetttransfer zum schrittweisen Ausgleich von Volumen- und Konturdefiziten 
  • Implantatgestützter Aufbau bei fehlendem Brustvolumen 
  • Lokale und freie mikrochirurgische Lappenplastiken bei ausgeprägten Befunden 
  • Rekonstruktion der vorderen Achselfalte 
  • Angleichung der Gegenseite zur bestmöglichen Symmetrie 
  • Anpassung von Größe und Position des Mamillen-Areolen-Komplexes 
  • Interdisziplinäre Planung bei knöchernen Thoraxveränderungen 

Warum jeder Befund anders ist 

Beim Poland-Syndrom fehlt in unterschiedlichem Ausmaß Gewebe in mehreren Schichten. Fehlt vor allem der große Brustmuskel, verändert das nicht nur das Volumen, sondern auch die Kontur der vorderen Achselfalte und den Übergang zur Schulter. Ist zusätzlich die Brustdrüse unterentwickelt, betrifft dies Brustbasis und Projektion. Kommen Veränderungen der Rippen hinzu, verschiebt sich auch die knöcherne Grundlage, auf der die Rekonstruktion aufbaut.

Aus diesem Grund lässt sich kein Standardverfahren benennen. Zwei Menschen mit derselben Diagnose können völlig unterschiedliche Behandlungskonzepte benötigen. Am Anfang steht deshalb eine sorgfältige Untersuchung beider Körperseiten, bei der wir erfassen, welche Strukturen in welchem Ausmaß betroffen sind.

Eigenfetttransfer 

Schrittweiser Ausgleich mit körpereigenem Gewebe 

Bei leichteren Volumen- und Konturunterschieden kann ein Eigenfetttransfer geeignet sein. Dabei wird körpereigenes Fettgewebe schonend entnommen und gezielt in die unterentwickelten Bereiche eingebracht. Das Verfahren eignet sich besonders zur Verfeinerung von Übergängen und zum Ausgleich flächiger Konturdefizite. 

Da pro Behandlung nur begrenzte Mengen übertragen werden können und ein Teil des Gewebes nicht einheilt, ist häufig ein schrittweises Vorgehen mit mehreren Sitzungen sinnvoll. Eigenfett lässt sich zudem gut mit anderen Verfahren kombinieren. 

Implantatgestützter Aufbau 

Planbares Volumen bei sorgfältiger Weichteilplanung 

Fehlendes Brustvolumen kann auch mit einem Implantat aufgebaut werden. Da der Brustmuskel häufig nicht vollständig vorhanden ist, entfällt beim Poland-Syndrom eine Deckungsschicht, die bei anderen Eingriffen selbstverständlich zur Verfügung steht. Implantatlage und Weichteildeckung müssen deshalb besonders sorgfältig geplant werden. 

Wir prüfen im Einzelfall, ob die vorhandene Weichteildeckung ausreicht oder ob sie zunächst verbessert werden sollte – etwa durch einen vorgeschalteten Eigenfetttransfer oder durch die Verlagerung von körpereigenem Gewebe. 

Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe 

Lokale und freie Lappenplastiken 

Bei ausgeprägten Befunden oder dem Wunsch nach einer Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe stehen lokale und freie Lappenplastiken zur Verfügung. Gewebe kann beispielsweise vom Rücken, Bauch oder Oberschenkel in die Brustregion verlagert beziehungsweise mikrochirurgisch transplantiert werden. Dadurch lassen sich größere Volumen- und Weichteildefizite dauerhaft ausgleichen. 

Eigengewebe hat den Vorteil, dass es dauerhaft in den Körper integriert bleibt, sich weich anfühlt und die fehlende Weichteilschicht ersetzt – gerade dort, wo der Brustmuskel nicht vorhanden ist. Je nach Ausgangssituation können Implantat, Eigenfett und Eigengewebe miteinander kombiniert werden.

Symmetrie und Gesamtkonzept 

Um die bestmögliche Symmetrie zu erreichen, kann ergänzend eine Straffung, Verkleinerung oder Formkorrektur der Gegenseite sinnvoll sein. Auch Größe und Position des Mamillen-Areolen-Komplexes werden in das Gesamtkonzept einbezogen, da diese beim Poland-Syndrom häufig verändert sind. 

Bei komplexen knöchernen Thoraxveränderungen erfolgt die Planung interdisziplinär gemeinsam mit den weiteren beteiligten Fachrichtungen.

Der geeignete Operationszeitpunkt 

Der Zeitpunkt wird individuell festgelegt und liegt in der Regel nach weitgehend abgeschlossener körperlicher Entwicklung. Eine Rekonstruktion vor Abschluss des Wachstums kann dazu führen, dass sich die Verhältnisse im weiteren Verlauf erneut verändern und Nachkorrekturen erforderlich werden. 

Für viele Betroffene und ihre Familien ist die Zeit bis dahin belastend. Ein frühzeitiges Beratungsgespräch kann dennoch sinnvoll sein – nicht, um zu operieren, sondern um zu wissen, welche Möglichkeiten später bestehen und worauf bis dahin zu achten ist. 

Unser Behandlungsanspruch 

Am ISAR Klinikum München bieten wir das gesamte Spektrum der plastisch-rekonstruktiven und ästhetischen Brustchirurgie an. Nach sorgfältiger Untersuchung empfehlen wir das Verfahren, das für die jeweilige Ausprägung die besten funktionellen und ästhetischen Voraussetzungen bietet. Unser Ziel ist eine langfristig stabile, natürlich wirkende Brust- und Thoraxkontur, die sich harmonisch in die Körperproportionen einfügt. 

Gerne beraten wir Sie in unserer spezialisierten Sprechstunde ausführlich zu den individuellen Möglichkeiten der Brust- und Thoraxrekonstruktion beim Poland-Syndrom.

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