Kliniken & Fachabteilungen
Eine Lähmung des Gesichtsnervs kann nach Tumoroperationen, Verletzungen oder Entzündungen auftreten und in seltenen Fällen auch angeboren sein. Abhängig von der Ausprägung können einzelne Bereiche oder eine gesamte Gesichtshälfte betroffen sein.
Neben einer sichtbaren Asymmetrie beeinträchtigt die Fazialisparese häufig den Lidschluss, das Lächeln und den Mundschluss – und damit auch Sprechen, Essen und Trinken. Besonders belastend ist für viele Betroffene, dass die Mimik nicht mehr das ausdrückt, was sie empfinden. Der fehlende Lidschluss stellt zudem ein medizinisches Risiko dar, weil die Hornhaut nicht mehr zuverlässig geschützt und befeuchtet wird.
Was für die Behandlung entscheidend ist
Drei Faktoren bestimmen das Vorgehen
| Dauer der Lähmung | bestimmt, ob die mimische Muskulatur noch ansteuerbar ist |
| Betroffene Bereiche | einzelne Areale oder eine gesamte Gesichtshälfte |
| Nervenfunktion | ob Gesichtsnerv und mimische Muskulatur noch funktionsfähig sind |
Behandlung bei frischer Nervenschädigung
Die Nervenverbindung wiederherstellen
Gesichtsnerven können durch Verletzungen oder im Rahmen einer Tumoroperation geschädigt oder durchtrennt werden. Wenn möglich, sollte die Kontinuität des verletzten Nervs frühzeitig wiederhergestellt werden, damit die mimische Muskulatur erneut Nervenimpulse erhält. Bereits bei der Planung einer Tumoroperation prüfen wir deshalb, ob eine unmittelbare Rekonstruktion des betroffenen Nervs möglich und sinnvoll ist.
Abhängig von Art, Lage und Ausdehnung der Schädigung kann der Nerv direkt wieder verbunden oder durch ein körpereigenes Nerventransplantat überbrückt werden. Steht kein geeigneter Nervenabschnitt mehr zur Verfügung, kann die Funktion auf einen anderen motorischen Nerv übertragen werden. Diese Eingriffe erfolgen unter dem Operationsmikroskop und erfordern eine präzise mikrochirurgische Technik.
Behandlung bei länger bestehender Lähmung
Bewegung durch Muskelverlagerung oder Muskeltransplantation
Bei länger bestehenden Lähmungen kommen Muskelverlagerungen oder freie funktionelle Muskelübertragungen infrage. Dabei wird Muskulatur aus einer anderen Körperregion so eingesetzt, dass sie die Bewegung des Mundwinkels übernimmt.
Bei einer freien funktionellen Muskeltransplantation wird der Muskel mitsamt seiner Gefäß- und Nervenversorgung entnommen und mikrochirurgisch im Gesicht eingesetzt. Nach der Einheilung und der Regeneration der Nerven kann er aktiv angesteuert werden und ein Lächeln ermöglichen. Ziel ist nicht nur eine Bewegung überhaupt, sondern eine Bewegung, die im Zusammenspiel mit der gesunden Seite möglichst natürlich wirkt.
Ergänzende Eingriffe
Weitere Eingriffe können den Schutz des Auges, die Position der Augenbraue, den Mundschluss und die Symmetrie des Gesichtes verbessern. Dazu gehören beispielsweise Korrekturen am Ober- oder Unterlid sowie stabilisierende Verfahren im Bereich der Wange und des Mundwinkels.
Solche Eingriffe sind kein Ersatz für die Wiederherstellung der Bewegung, sie ergänzen sie. Gerade der Schutz des Auges hat dabei Vorrang und kann bereits vor der eigentlichen Rekonstruktion erforderlich sein.
Ablauf und Nachbehandlung
Die Behandlung besteht häufig aus mehreren aufeinander abgestimmten Schritten. Da sich Nerven nur langsam regenerieren, entwickelt sich das Ergebnis schrittweise über mehrere Monate. Regelmäßige Verlaufskontrollen und eine gezielte funktionelle Nachbehandlung begleiten diesen Prozess.
Für Sie bedeutet das Geduld: Nach der Operation ist zunächst wenig sichtbar. Die Bewegung kehrt allmählich zurück und muss anschließend geübt werden. Wir besprechen vor dem Eingriff offen, welcher zeitliche Verlauf zu erwarten ist und welches Ergebnis realistisch erreichbar ist.
Unser Ziel ist eine möglichst natürliche Gesichtsmimik mit verbesserter Symmetrie – sowohl in Ruhe als auch beim Sprechen und Lächeln.
Gerne beraten wir Sie persönlich in unserer Sprechstunde zu den Möglichkeiten der Behandlung einer Fazialisparese.