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Narben erzählen Geschichten. Manche erinnern an Unfälle oder Erkrankungen. Andere erinnern Betroffene an eine besonders schwere Zeit ihres Lebens.
Menschen, die in der Vergangenheit unter psychischen Erkrankungen gelitten und sich selbst verletzt haben, tragen häufig sichtbare Narben – oft an den Unterarmen. Was für Außenstehende lediglich eine Narbe sein mag, kann für die Betroffenen eine tägliche Erinnerung an Krisen, Leidensdruck und schwierige Lebensphasen sein.
Doch die Belastung geht häufig weit darüber hinaus.
Viele Betroffene berichten von Scham, Unsicherheit und der Angst vor Verurteilung. Sichtbare Narben nach Selbstverletzung führen nicht selten zu neugierigen Blicken, unangenehmen Fragen oder gesellschaftlicher Stigmatisierung.
Manche Menschen vermeiden deshalb kurze Kleidung, sportliche Aktivitäten oder soziale Situationen. Andere werden im beruflichen Umfeld immer wieder auf ihre Narben angesprochen.
Obwohl die psychische Erkrankung oft längst überwunden ist, bleiben die sichtbaren Spuren bestehen.
Die Plastische und Rekonstruktive Chirurgie kann in solchen Fällen einen wichtigen Beitrag leisten.
„Unser Ziel ist nicht, die Vergangenheit auszulöschen“, erklärt Prof. Dr. med. Ulf Dornseifer, Direktor der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie am ISAR Klinikum. „Vielmehr möchten wir Betroffenen helfen, mit ihrer Geschichte anders leben zu können und die ständige Konfrontation mit den Narben zu reduzieren.“
Dabei handelt es sich nicht um einen kosmetischen Eingriff im klassischen Sinne. Vielmehr geht es um die Wiederherstellung einer möglichst homogenen Haut- und Narbenstruktur, die den Betroffenen einen unbelasteteren Umgang mit ihrem Körper ermöglicht.
Für die Behandlung von Narben nach Selbstverletzung kommen Verfahren zum Einsatz, die ursprünglich für die Versorgung von Schwerstbrandverletzten entwickelt wurden.
Eine bewährte Methode ist die sogenannte Spalthauttransplantation in Mesh-Technik. Dabei werden die auffälligen Narbenareale chirurgisch behandelt und mit speziell aufbereiteter Haut rekonstruiert.
Das Ergebnis ist keine narbenfreie Haut. Ziel ist vielmehr eine gleichmäßige, medizinisch rekonstruierte Narbenstruktur, die nicht mehr die typische Erscheinung von Selbstverletzungsnarben aufweist.
Ein wichtiger Aspekt der Behandlung ist die Ehrlichkeit gegenüber den Patientinnen und Patienten.
„Wir versprechen keine Wunder und keine perfekte Haut“, betont Prof. Dr. Dornseifer. „Die Narben bleiben sichtbar. Aber sie erhalten ein anderes Erscheinungsbild und werden nicht mehr unmittelbar mit Selbstverletzungen in Verbindung gebracht.“
Für viele Betroffene bedeutet dies eine enorme Entlastung im Alltag. Sie können sich freier bewegen, ohne ständig auf ihre Vergangenheit reduziert zu werden.
Die rekonstruktive Behandlung von Narben nach Selbstverletzung ist mehr als ein chirurgischer Eingriff. Sie kann Menschen dabei unterstützen, einen wichtigen Schritt in ihrer persönlichen Entwicklung zu gehen.
Viele Betroffene haben über Jahre hinweg an ihrer psychischen Gesundheit gearbeitet, Therapien absolviert und Krisen überwunden. Die Narben bleiben jedoch oft als sichtbares Symbol dieser Vergangenheit bestehen.
Die moderne rekonstruktive Chirurgie kann helfen, diese Spuren neu einzuordnen und den Fokus wieder stärker auf die Gegenwart und die Zukunft zu richten.
Die Behandlung von Narben nach Selbstverletzung zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Aufgaben der Plastischen Chirurgie sein können.
Es geht nicht nur um Form und Funktion, sondern oft auch um Lebensqualität, Selbstwertgefühl und gesellschaftliche Teilhabe.
Für Prof. Dr. med. Ulf Dornseifer und sein Team steht dabei stets der Mensch im Mittelpunkt – mit seiner Geschichte, seinen Erfahrungen und seinem Wunsch nach einem neuen Kapitel im Leben.
Denn manchmal bedeutet Rekonstruktion weit mehr als die Behandlung von Haut. Manchmal bedeutet sie die Chance auf einen Neuanfang.