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Die Latissimus-Detrusormyoplastie ist ein hochspezialisierter rekonstruktiver Eingriff im Grenzbereich zwischen Urologie und Plastischer Chirurgie. Sie kommt bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit schwerer Blasenentleerungsstörung beziehungsweise nicht mehr ausreichend kontraktionsfähiger Harnblase in Betracht, wenn etablierte Standardtherapien an ihre Grenzen stoßen.
Das Ziel des Eingriffs ist außergewöhnlich: Ein körpereigener Muskel wird so verpflanzt, dass er die Funktion des geschwächten oder funktionslosen Blasenmuskels unterstützen und damit eine aktive Blasenentleerung ermöglichen kann.
Die Methode geht auf die Erstbeschreiber um Prof. Arnulf Stenzl und Prof. Milomir Ninković zurück, die Ende der 1990er-Jahre erstmals die klinische Anwendung eines freien, neurovaskulären Latissimus-dorsi-Muskeltransfers zur Wiederherstellung der Blasenentleerung beschrieben haben. Das Verfahren entstand aus der engen Verbindung urologischer Funktionschirurgie und plastisch-rekonstruktiver Mikrochirurgie.
Eine besondere Bedeutung hat für das ISAR Klinikum, dass Prof. Dr. med. David Schilling und Prof. Dr. med. Ulf Dornseifer dieses Verfahren direkt von den Erstbeschreibern Prof. Arnulf Stenzl und Prof. Milomir Ninković erlernen konnten. Damit fließt nicht nur theoretisches Wissen, sondern unmittelbare operative Erfahrung aus der ursprünglichen Entwicklung dieses seltenen Eingriffs in die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten ein.
Bei der Latissimus-Detrusormyoplastie wird der Musculus latissimus dorsi vom Rücken entnommen und in das kleine Becken transplantiert. Dort wird er um die Harnblase gelegt beziehungsweise so positioniert, dass er die geschwächte Blasenmuskulatur funktionell unterstützen kann.
Entscheidend ist jedoch nicht allein die Verpflanzung des Muskels. Der eigentliche Schlüssel des Verfahrens liegt in der mikrochirurgischen Wiederherstellung von Durchblutung und Innervation.
Zum einen werden feinste Blutgefäße unter dem Operationsmikroskop an neue Anschlussgefäße angeschlossen, damit das transplantierte Gewebe dauerhaft durchblutet bleibt. Zum anderen wird der Nerv des Latissimus-dorsi-Muskels, der Nervus thoracodorsalis, mikrochirurgisch an motorische Äste der unteren Interkostalnerven angeschlossen. Dadurch kann der verpflanzte Muskel im Verlauf wieder aktiv angesteuert werden.
Genau dieser Nervenanschluss macht das Verfahren so besonders: Der Muskel soll nicht nur als Gewebeersatz dienen, sondern als funktioneller Muskel arbeiten. Durch die willkürliche Aktivierung des transplantierten Muskels kann eine aktive Entleerung der Blase ermöglicht werden. Für geeignete Patientinnen und Patienten kann dies einen entscheidenden Unterschied bedeuten, insbesondere wenn zuvor eine dauerhafte Katheterisierung erforderlich war.
Die Operation erfordert eine exakte interdisziplinäre Planung und höchste mikrochirurgische Expertise. Der Eingriff verbindet urologische Präzision im kleinen Becken mit plastisch-rekonstruktiver Erfahrung in der freien Gewebeverpflanzung.
Die Entnahme des Musculus latissimus dorsi, die sichere Präparation des Gefäß-Nerven-Bündels, die mikrochirurgische Gefäßanastomose und die Nervenkoaptation müssen exakt aufeinander abgestimmt werden. Bereits kleinste technische Details können für die spätere Funktion des transplantierten Muskels entscheidend sein.
Mit Prof. Dr. med. Ulf Dornseifer verfügt das ISAR Klinikum über einen international erfahrenen Spezialisten für mikrochirurgische und rekonstruktive Eingriffe. Seine langjährige Expertise in der freien Lappenchirurgie, der Wiederherstellung komplexer Gewebedefekte und der funktionellen Rekonstruktion bildet eine wesentliche Grundlage für die Durchführung eines derart seltenen und anspruchsvollen Verfahrens.
Die Latissimus-Detrusormyoplastie zeigt eindrucksvoll, was moderne interdisziplinäre Medizin leisten kann. Wo Standardtherapien nicht ausreichen, entwickeln spezialisierte Fachbereiche gemeinsam individuelle Lösungen für komplexe Krankheitsbilder.
Am ISAR Klinikum erfolgt die Behandlung in enger Zusammenarbeit zwischen der Klinik für Urologie unter der Leitung von Prof. Dr. med. David Schilling und der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Ulf Dornseifer.
Diese enge Verzahnung ist bei der Latissimus-Detrusormyoplastie entscheidend: Die urologische Expertise ermöglicht die präzise Indikationsstellung und Vorbereitung der Blase, während die plastisch-rekonstruktive Mikrochirurgie die funktionelle Muskelverpflanzung mit Gefäß- und Nervenanschluss ermöglicht.
Die Latissimus-Detrusormyoplastie ist kein Routineeingriff, sondern eine hochspezialisierte Therapieoption für sorgfältig ausgewählte Patientinnen und Patienten. Gerade deshalb sind Erfahrung, interdisziplinäre Abstimmung und mikrochirurgische Präzision von zentraler Bedeutung.
Für Betroffene mit schwerer Blasenfunktionsstörung kann das Verfahren eine Perspektive eröffnen, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Der besondere Anspruch liegt darin, nicht nur Gewebe zu ersetzen, sondern Funktion wiederherzustellen – mit dem Ziel, eine aktiv steuerbare Blasenentleerung zu ermöglichen.
Damit steht die Latissimus-Detrusormyoplastie exemplarisch für die moderne rekonstruktive Medizin am ISAR Klinikum: innovativ, interdisziplinär und auf die Wiederherstellung von Lebensqualität ausgerichtet.